Herbst 2015: Wo steht Hotel Utopia?

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Susanne Wilm vom Prinzip Heimat e.V. über Entwicklungen und Visionen im Gespräch mit der Vodafone Stiftung


Womit beschäftigt ihr euch gerade?

In den letzten Wochen ist viel passiert: Wir haben die Anforderungen an unser zukünftiges Hotel weiter konkretisiert. Wo soll es liegen? Wie groß muss es sein? Außerdem haben wir unser Netzwerk an Ansprechpartnern erweitert, die uns bei der Suche nach einem Grundstück bzw. einer Immobilie helfen können – Makler, Hotelberater, Projektentwickler. Uns war von Anfang an klar, dass die Suche in einer Stadt wie Berlin nicht einfach werden wird. Deshalb waren wir ganz überrascht, wie positiv die Reaktionen waren und wie groß das Interesse, uns bei der Realisierung zu unterstützen. Wir haben bereits einige interessante Objekte besichtigt und verfolgen zurzeit eine vielversprechende Kooperation.

Daneben entwickeln wir auch den Verein Prinzip Heimat e.V. und unser Team weiter: Eine zweitägige Auszeit in der Uckermark im Oktober gab uns die Möglichkeit, unsere Aufgaben und Prozesse den Entwicklungen der letzten Monate anzupassen – und ein wenig Luft zu holen.


Das „Hotel Utopia“ fußt unter anderem auf dem Konzept der Unterstützten Beschäftigung. Erklär’ doch mal: Was hat es damit auf sich?

Von links: Maja Hebel, Susanne Wilm, Katrin Elsemann und Catherine Daraspe
Von links: Maja Hebel, Susanne Wilm, Katrin Elsemann und Catherine Daraspe

Zugang zu legaler Beschäftigung ist wesentlich für die soziale Teilhabe von geflüchteten Menschen. Unterstützte Beschäftigung mit dem Kernelement Job Coaching bietet Unterstützung am Arbeitsplatz für ArbeitnehmerInnen mit Fluchterfahrung und für aufnehmende Betriebe, um dafür nötige individuelle und betriebliche Lernprozesse zu fördern. Denn wenn ein Unternehmen geflüchtete Menschen einstellt, stehen alle Beteiligten vor neuen Anforderungen: Sie müssen neue Kompetenzen erwerben und sprachliche, bürokratische und kulturelle Hürden überwinden. Das führt auf beiden Seiten oft zu Überforderung. Wir glauben, dass Unterstütze Beschäftigung diese Hürden überwinden helfen und die betriebliche Inklusion von ArbeitnehmerInnen mit Fluchterfahrung zum Erfolg führen kann. Das Konzept ist darauf angelegt, sowohl die ArbeitnehmerInnen als auch den Betrieb vor Ort zu „coachen“. Um die ArbeitnehmerInnen zu unterstützen, werden wir mit ihnen ihre Kompetenzen analysieren und Entwicklungspläne erstellen, Qualifizierungsmaßnahmen planen, den Übergang in die Ausbildung oder Beschäftigung begleiten und bei außerbetrieblichen Problemen helfen, zum Beispiel bei sozial- oder asylrechtlichen Fragen. Betriebe werden bei der Vernetzung mit Behörden, bei der Antragstellung für Fördermaßnahmen und beim Aufbau von Inklusionskompetenzen und Konfliktmanagement unterstützt.


Welchen Problemem begegnet ihr dabei, das Konzept für geflüchtete Menschen weiterzuentwickeln?

Unterstützte Beschäftigung ist vor allem im Bereich der Arbeitsmarktinklusion von Menschen mit Behinderung bekannt, findet aber auch in anderen Bereichen beispielsweise der Jugendhilfe Anwendung. Grundsätzlich geht es aber darum, alle Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit wertzuschätzen: Um die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund, mit Behinderung, mit unterschiedlichen religiösen Bekenntnissen, alte und junge Menschen, Frauen und Männer. Es stellt sich die Frage, wie Unternehmen in die Lage versetzt werden können, diese Vielfalt zu nutzen, statt auszuschließen.

Eine inklusive Perspektive löst die Fixierung auf spezifische Zielgruppen auf: Müsste Job Coaching nicht für alle zugänglich sein, die von einem solchen Angebot profitieren würden? Wie kann ein adäquates Unterstützungssystem für alle aussehen? In unserem Bereich stehen wir sicher noch am Anfang, und werden wichtige Lernerfahrungen machen: Wie können wir Zugang von geflüchteten Menschen zu bestehenden Arbeitsfördermaßnahmen fördern? Welche Akteure müssen noch sensibilisiert und welche institutionellen und betrieblichen Veränderungen angestoßen werden?


Wenn alles klappt: Wo soll das Hotel Utopa in drei Jahren stehen?

Wenn alles klappt, haben wir in drei Jahren einen Ort, der viel mehr bietet als ein Zimmer mit Aussicht: Einen Ort, der zeigt, wie Inklusion von geflüchteten Menschen funktionieren kann und dabei noch wirtschaftlich ist. Ein Ort, der Gästen aufgrund des einzigartigen Teams und der damit verbundenen Atmosphäre in Erinnerung bleibt. Ein Ort, der neben oder gerade wegen einem Arbeits- oder Ausbildungsplatz ein tatsächliches Ankommen für seine MitarbeiterInnen ermöglicht… und daneben hoffentlich auch die ersten Azubis, die dann ihre Ausbildung im Hotel Utopia fast beendet haben und die wir dann auch erfolgreich in andere Betriebe vermitteln.

 

Berliner Initiativen - Kurdistan Kultur- und Hilfsverein e.V.
Berliner Initiativen - Die Wille gGmbH